Emil Bekker – Speed Coach beim BVB, Gründer von Pro Speed Football und ehemaliger Kurzsprinter

Emil Bekker ist 22 Jahre alt und trainiert die Jugend des BVB im Bereich Schnelligkeit. Gleichzeitig hat er Pro Speed Football gegründet – ein modernes Performance Center in Dortmund, das Fußballspieler im Jugendalter ganzheitlich als Athleten entwickelt. Was sich nach einer klassischen Erfolgsgeschichte liest, begann mit einem gekündigten Beamtenjob, null Plan und einem einzigen Gespräch mit einem Freund. In dieser Episode des MainAthlet Podcasts erzählt Emil, wie aus einem obsessiven Kurzsprinter ein gefragter Speed Coach wurde – und warum er bereit war, ein sehr großes Risiko einzugehen, als andere ihm davon abrieten.

Vom Fußball zum Sprint – wie Emil Becker zur Leichtathletik kam

Emil Bekker kommt ursprünglich aus dem Fußball. Schnell war er immer – bei den Bundesjugendspielen wurde ihm klar, dass da vielleicht mehr steckt. Mit 16 absolvierte er ein Probetraining bei der LG Olympia Dortmund und stieg innerhalb kürzester Zeit in der Jugend auf. Deutsche Jahresbestzeit in der U18, europäische Jahresbestzeit, Medaillen bei deutschen Meisterschaften – Emils Aufstieg im Kurzsprint war rasant. Was ihn am Sprint faszinierte: die Kompromisslosigkeit. Kein Verstecken, keine Zeit für Fehler, hundertste Sekunden als einziger Maßstab. Sein stärkstes 60m Rennen lief er 2020  – 6,89 Sekunden, deutsche Jahresbestzeit, Sieg mit einer Nasenspitze Vorsprung. Ein Moment, nach dem er wusste: Es gibt für ihn gerade nichts anderes.

Warum Emil mit dem Leistungssprint aufgehört hat

Mit dem Wechsel in die U23 veränderte sich die Situation. Die Bestzeiten kamen nicht mehr, das Training mit den Aktiven forderte mehr als er liefern konnte. Statt 10,5 sprintete er plötzlich 11,0 – hinter den eigenen Erwartungen. Mit 20 entschied Emil, das Athleten-Kapitel zu schließen. Nicht weil es keine Leidenschaft mehr gab, sondern weil sich parallel eine andere abzeichnete: das Trainer-Sein. Schon während seiner aktiven Zeit coachte er vereinzelt Kinder und Jugendliche. Und er merkte, dass ihn dieser Perspektivwechsel mehr reizte als der nächste eigene Wettkampf.

Polizei, Kündigung und der Sprung ins Ungewisse

Was viele nicht wissen: Emil absolvierte parallel zur Leichtathletik eine Ausbildung bei der Polizei. Ein Job mit Sicherheit, Struktur – und für viele der Inbegriff von Stabilität. Nach dem ersten großen Praktikum im Wach- und Wechseldienst merkte er, dass ihn die Schichtarbeit einengte und das Leben außerhalb der Uniform kaum noch Platz hatte. Er bat um Entlassung – ohne konkreten Plan danach. Was folgte, waren Wochen der Perspektivlosigkeit. Kein Verein mehr als Trainer, keine Polizei, kein Athleten-Dasein. Bis ein Freund eine simple Frage stellte: Warum machst du dich nicht mit Sprinttraining selbstständig?

Pro Speed Football – ein Startup entsteht

Die Idee war geboren, die Umsetzung dauerte Monate. Im Mai des Gründungsjahres ging Pro Speed Football offiziell an den Start – mit einer Trainingsgruppe, einem Athleten. Heute, zehn Monate später, zählt das Team vier Trainer, Physiotherapeuten, einen Mentaltrainer, einen Ernährungsexperten und über 100 Athleten. Parallel erhielt Emil eine Stelle beim BVB als reiner Schnelligkeitstrainer für die komplette Jugendabteilung. Der Ansatz von Pro Speed Football ist ganzheitlich: nicht nur schneller machen, sondern Fußballspieler im Jugendalter als vollständige Athleten entwickeln – mit Fokus auf Schlaf, Ernährung, mentale Stärke und Bewegungsqualität. Standards, die im Profibereich selbstverständlich sind, im Jugend-Amateursport aber kaum existieren.

Mykonos, Musiala und die nächsten Schritte

Im Sommer dieses Jahres ist Emil als Gastrainer in einem Performance Center auf Mykonos eingeladen – dort trainieren Fußballprofis aus der Weltklasse, die ihren Urlaub und ihre Fitness kombinieren wollen. Letztes Jahr waren Jamal Musiala, Manuel Neuer und Camavinga unter den Gästen. Für Pro Speed Football bedeutet das den nächsten Schritt in Richtung Profisport. Langfristig soll das Unternehmen weitere Standorte in NRW aufbauen, die Geräteausstattung modernisieren und mehr Profi-Einzelbetreuung anbieten.