Stabhochsprung ist Sprint, Sprung und „Turnen in der Luft“ – alles in einem Versuch. Du läufst mit dem Stab an, setzt ihn in den Einstichkasten, hebst ab, lässt den Stab biegen, schwingst dich nach oben, drehst dich über die Latte und landest weich auf der Matte. Von außen sieht das manchmal spielerisch aus – in Wahrheit ist es eine der technisch anspruchsvollsten Disziplinen der Leichtathletik. Und genau deshalb macht sie so süchtig: Wenn Timing, Mut und Rhythmus zusammenpassen, fühlt sich ein guter Sprung nicht nach „Glück“ an, sondern nach Kontrolle: Du weißt schon im Anlauf, dass der Versuch passt, und oben kommt dieses kurze Gefühl von Leichtigkeit.
Auf dieser Seite bekommst du einen verständlichen, aber detaillierten Überblick über den Stabhochsprung: die wichtigsten Technikphasen, sinnvolle Trainingsbausteine, Material-Grundlagen, Sicherheit und häufige Fehler. Wenn du tiefer in echte Erfahrungen einsteigen willst, findest du am Ende den Link zur Podcast-Unterseite, auf der die Folgen gesammelt sind.
Im Kern geht es um Energie-Umwandlung: Du bringst Geschwindigkeit aus dem Anlauf mit, überträgst sie in den Stab (Biegung) und nutzt die Rückstellkraft, um Höhe zu gewinnen. Klingt simpel – ist es aber nicht, weil mehrere Dinge gleichzeitig stimmen müssen:
Anlauf: schnell, stabil, wiederholbar
Einstich: sauberer Moment der Energieübertragung
Absprung: aktiv, mutig, aber technisch kontrolliert
Schwungphase: Schwingen, Aufrollen, Umkehr
Drehung & Lattenüberquerung: Timing und Körperposition
Landung: sicher, entspannt, ohne Risiko
Das Entscheidende: Im Stabhochsprung addiert sich nichts „nebenbei“. Ein kleiner Fehler im Anlauf kann den Einstich verschieben. Ein unsauberer Einstich verändert die Stabbiegung. Eine falsche Position in der Umkehr kostet Zentimeter. Deshalb ist Stabhochsprung so sehr eine Disziplin der Details – und so sehr eine Disziplin, die du über Jahre aufbaust.
Du musst kein Technik-Nerd sein, um Stabhochsprung zu verstehen. Hilfreich ist, die Disziplin in Phasen zu denken:
Der Anlauf ist ein Sprint mit Stab – und genau da trennt sich schon viel. Wer schnell anlaufen kann, bringt mehr Energie mit. Holzdeppe nennt als Beispiel eine sehr hohe Anlaufgeschwindigkeit und macht gleichzeitig klar: Diese Geschwindigkeit ist nur dann wertvoll, wenn du sie sauber in den Absprung bekommst. Du willst am Ende nicht nur schnell sein, sondern mit Tempo stabil bleiben – und den letzten Schritt so setzen, dass der Einstich sauber passiert.
Der Einstich ist der Übergang: Du setzt den Stab in den Einstichkasten – und damit beginnt die Umwandlung von Anlaufenergie in Biegung und danach in Höhe. In Leistungszentren wird das teilweise sehr detailliert analysiert, inkl. verschiedener Perspektiven und Auswertungen.
Der Absprung ist nicht einfach „hoch springen". Er ist der Moment, in dem du den Stab belastest, ohne einzuknicken – technisch, körperlich und mental. Holzdeppe spricht im Podcast auch über die enormen Kräfte, die dabei wirken: vereinfacht eine sehr hohe Mehrfachbelastung des Körpergewichts.
Viele Stabhochspringer haben einen turnerischen Background – nicht zwingend, aber oft hilfreich. Holzdeppe sagt, Turnen ist kein Muss, hilft aber gerade am Anfang, die Bewegungen schneller zu lernen.
Ob du die Latte liegen lässt, entscheidet sich oft an Details: Körperposition, Timing, Blickführung. Katharina Bauer erzählt, dass sie bei Top-Sprüngen teils die Augen geschlossen hatte – weil es sich gefühlt besser angefühlt hat.
Du brauchst Sprinttraining, Rhythmus, Steuerung – denn dein Anlauf ist dein Motor. Ohne stabile Anlaufqualität wird Technikarbeit schnell ein Glücksspiel.
Oleg Zernikel beschreibt im Podcast ehrlich, worauf er sich im Training freut: klassisches Krafttraining gehört für ihn zu den Dingen, die richtig Spaß machen.
Video gehört im Stabhochsprung praktisch immer dazu. Lisa Ryzih beschreibt, dass im Training wirklich jeder Sprung gefilmt wird – das Material ist zentral für Feedback und Entwicklung.
Holzdeppe beschreibt, dass er unterschiedliche Aufwärmprogramme je nach Einheit und Wettkampf nutzt – und dass die Übungen bewusst immer wieder gleich ablaufen. Wiederholbarkeit reduziert Chaos im Kopf.
Stabhochsprung ist auch eine Material-Disziplin. Lisa Ryzih spricht darüber, dass sie mit einem Wettkampf-Set unterwegs ist – mehrere Stäbe, weil du je nach Höhe variierst. Reisen mit Stäben ist logistisch nicht immer entspannt. Wenn du ganz neu bist: Am Anfang zählt sicherer Einstieg, stufenweiser Technikaufbau und ein Trainer mit Erfahrung.
Stabhochsprung-Wettkämpfe können lange dauern. Wartezeiten, wenige Versuche, hoher Druck – und in sehr kurzer Zeit abrufen. Lisa Ryzih beschreibt Taktik, Mut, lange Wettkämpfe und „bei Aufruf 100% da sein". Katharina Bauer sagt offen, dass sie Höhenangst kennt – aber im Sprung selbst die Höhe nicht wahrnimmt, weil der Fokus komplett auf dem Versuch liegt.
Gerade weil Stäbe zurückfallen können, sind Sicherheitsregeln im Training und Wettkampf extrem wichtig. Anlage und Einstichkasten müssen regelmäßig auf Gefahrenquellen geprüft werden.
| Regelbereich | Details |
|---|---|
| Versuche pro Höhe | 3 Versuche – bei drei Fehlversuchen auf einer Höhe ist der Wettkampf beendet |
| Gültiger Sprung | Die Latte muss liegen bleiben; Körper und Stab dürfen die Latte nicht herunterbringen |
| Ungültiger Versuch | Latte fällt herunter, Stab wird über die obere Griffhand gehalten, Körper berührt die Matte ohne Lattenpassage |
| Höhenerhöhung | Mindestens 5 cm bei Wettkampf-Beginn, auf Wunsch der Athleten anpassbar |
| Stabmaterial | Keine Einschränkung – Carbon, Glasfaser oder andere Materialien erlaubt |
| Griffhöhe | Keine Höhenbegrenzung – je höher der Griff, desto mehr Potential, desto mehr Kraft erforderlich |
Der Einstichkasten ist das technische Herzstück jeder Stabhochsprung-Anlage. Er ist in den Boden eingelassen und nimmt den Stab beim Einstich auf:
Die Stabwahl ist eine Wissenschaft für sich. Zwei Parameter entscheiden:
Im Leistungssport wird jeder Wettkampfstab einzeln ausgesucht. Lisa Ryzih beschreibt im MainAthlet-Podcast, dass sie mit mehreren Stäben reist – weil je nach angepeilter Höhe unterschiedliche Stäbe zum Einsatz kommen.
| Kategorie | Athlet | Höhe | Land |
|---|---|---|---|
| Männer (Freiluft) | Armand Duplantis | 6,30 m | Schweden |
| Frauen (Freiluft) | Yelena Isinbayeva | 5,06 m | Russland |
| Männer (Halle) | Armand Duplantis | 6,31 m | Schweden |
| Frauen (Halle) | Yelena Isinbayeva | 5,01 m | Russland |
| Deutschland (Männer) | Björn Otto | 6,01 m | Deutschland |
Stand: 2024 – Weltrekorde können sich ändern; aktuelle Werte unter worldathletics.org.
Aus Gesprächen mit Oleg Zernikel, Lisa Ryzih, Katharina Bauer und Raphael Holzdeppe im MainAthlet-Podcast:
Ja – wenn du in einer Gruppe mit sauberem Sicherheits-Setup und stufenweisem Technikaufbau startest. Grundlagenpläne arbeiten bewusst progressiv: vom Halten und Tragen bis zu ersten Sprüngen.
Hilft oft, ist aber kein Muss. Ein turnerischer Hintergrund kann das Bewegungsgefühl und das Aufrollen erleichtern – ist aber keine Voraussetzung.
Sehr wichtig. Höhen auslassen, reagieren, Rhythmus halten – oft entscheidet das in Kombination mit mentaler Stabilität über das Ergebnis.
Im Wettkampf gilt: Wenn du eine Höhe in drei Versuchen nicht schaffst, ist der Wettkampf für dich beendet. Fehlversuche auf niedrigeren Höhen können dabei eine Rolle spielen, wenn es bei Gleichstand zur Wertung kommt.
Ja – mit dem richtigen Umfeld. Wichtig ist ein erfahrener Trainer, eine Gruppe und ein sauberer stufenweiser Aufbau. Vorerfahrung in Sprint- oder Turndisziplinen hilft, ist aber nicht zwingend nötig.
Sprintfähigkeit, Koordination und Grundkraft sind die wichtigsten Faktoren. Körpergröße und -typ sind weniger entscheidend als die Fähigkeit, Anlauf, Einstich und Absprung sauber zu koordinieren.
Bei den Männern hält Armand Duplantis (Schweden) den Weltrekord mit 6,31 m (aufgestellt am 12. März 2026 in Uppsala). Bei den Frauen steht der Weltrekord von Jelena Issinbajewa (Russland) bei 5,06 m – aufgestellt 2009 in Zürich.
Das hängt stark vom Niveau ab: Einsteiger schaffen erste Sprünge bei 1,50–2,50 m. Auf nationalem Leistungsniveau sind 4,50–5,20 m (Männer) bzw. 3,80–4,40 m (Frauen) üblich. Weltklasse beginnt bei den Männern über 5,80 m.
Pro Höhe stehen drei Versuche zur Verfügung. Ein Sprung ist gültig, wenn die Latte liegen bleibt. Ungültig ist ein Versuch, wenn die Latte fällt, der Körper die Matte vor der Lattenpassage berührt oder der Stab über die obere Griffhand hinaus gehalten wird.
In der Regel ab dem Schulalter – also ca. 10–12 Jahre – mit stufenweisem Einstieg. Entscheidend ist nicht das Alter, sondern ein erfahrener Trainer und eine sichere Anlage mit richtigem Einstichkasten und ausreichend Landematten.
Einsteiger nutzen Stäbe ab ca. 3,50–4,00 m Länge. Im Leistungssport liegen die Stablängen typischerweise zwischen 4,80 m und 5,60 m – je nach Griffhöhe und Technikniveau.
Beim Hochsprung überquert man die Latte ohne Hilfsmittel – reine Sprungtechnik. Beim Stabhochsprung wird die Laufgeschwindigkeit über den Stab in Höhe umgewandelt. Das ermöglicht deutlich größere Höhen: Der Stabhochsprung-Weltrekord liegt bei 6,31 m, der Hochsprung-Weltrekord bei 2,45 m.
