Savas Coban ist Extremsportler, Ultraläufer und Abenteurer aus Bremen. Bekannt wurde er durch die Netflix-Dokumentation „Trail der Träume", die seinen 5.170 Kilometer langen Solo-Lauf durch Peru zeigt – durch Wüste, Hochgebirge und Dschungel, 87 Tage lang, täglich einen Ultramarathon, ohne Begleitteam. Wer den Begriff Willenskraft gerne abstrakt lässt, sollte sich diese Folge anhören. Coban ist einer dieser Menschen, bei denen man merkt: Das ist keine Pose. Der Mann läuft wirklich los, wenn andere noch überlegen. Angefangen hat alles mit einer spontanen Fahrradtour während Corona – Hamburg nach Sevilla, ohne Plan und mit zu viel Gepäck. Was daraus wurde, ist eine Geschichte über Selbstfindung, Grenzerfahrung und die Frage, wer man eigentlich ist, wenn man 87 Tage lang nichts anderes tut als laufen, schlafen und weitermachen.
Während der Corona-Pandemie packte Savas Coban ein gebrauchtes Fahrrad und fuhr von Hamburg nach Sevilla. Nicht weil er Erfahrung hatte – er wusste nicht mal, wie man einen Platten wechselt – sondern weil er das Ungewisse suchte. Diese Reise veränderte alles. Auf dem Weg nach Sevilla entwickelte er die Vision, Abenteuer zum Beruf zu machen. Zurück in Deutschland fing er an, ernsthaft zu laufen. Nicht für einen Marathon-Startplatz, sondern direkt für das Extrem: Sein erster großer Lauf führte ihn von Hamburg nach Bremen – 100 Kilometer, 14 Stunden, ohne große Vorbereitung. Der nächste Schritt war der Lauf von München nach Istanbul: 45 Tage, acht Länder, täglich ein Marathon. Alleine, zu Fuß, durch den Balkan – wo er regelmäßig von der Polizei für einen Flüchtling gehalten wurde.
Peru war für Coban die bisher härteste Herausforderung – nicht wegen der Distanz, sondern wegen der Bedingungen. Er lief durch drei extreme Klimazonen: die Wüste Perus mit den stärksten UV-Strahlen der Welt, die Anden mit über 4.000 bis 5.000 Höhenmetern, und den Amazonas-Dschungel. Unsupported. Mit einem einzigen Laufrucksack für 87 Tage, inklusive Zelt und Isomatte. Der härteste Moment der gesamten Reise war nicht in der Doku zu sehen: In den Anden, vollständig durchnässt, stundenlang zitternd, in Minusgraden, weit und breit kein Ort in Sichtweite. Nicht Höhenkrankheit, nicht Sonnenbrand, nicht politische Unruhen – sondern Unterkühlung mitten in der Einsamkeit. Coban spricht im Interview offen darüber, was ihn in solchen Momenten trägt: kein heroisches Durchbeißen, sondern ein klarer mentaler Schalter. Wettkampfmodus. Positive Self-Talk. Und die Gewissheit, dass er diese Situation bewusst gesucht hat.
Nach Peru folgte ein Lauf in gerader Linie durch die Mongolei – von der russischen Grenze im Norden bis zur chinesischen Grenze im Süden. Die Mongolei-Dokumentation „Running the Line" feierte im Juni 2025 Premiere in Bremen. Zuletzt lief Coban 80 Tage lang einmal um die gesamte Türkei – sein bisher persönlichstes Projekt. Als Deutsch-Türke, der in Deutschland aufgewachsen ist, wollte er das Land seiner Eltern wirklich kennenlernen. Die Erkenntnis nach 5.000 Kilometern türkischer Küsten, Gebirge und Dörfer: „Ich bin Deutsch-Türke – und das ist ein Privileg, kein Problem." Buch und Doku zur Türkei-Umrundung sind in Arbeit. Als nächstes plant Coban die Umrundung Islands im Winter.
Coban gibt im Gespräch konkrete Hinweise zur Verletzungsprävention, die für jeden Läufer relevant sind. Entscheidend ist Krafttraining mit einbeinigen Übungen: Bulgarian Split Squats, einbeiniges Wadenheben auf einer Kante, Single Leg Deadlifts. Dazu die Schienbeinmuskulatur gezielt trainieren. Wer seinen Laufumfang steigert, ohne diesen Ausgleich zu schaffen, erhöht das Verletzungsrisiko erheblich. Für Cobans eigene Form von Ultralaufen – täglich ein Ultramarathon über Wochen – gilt zusätzlich: niemals all-in. Energiemanagement ist die eigentliche Disziplin, nicht Pace oder Herzfrequenz. Der Körper gewöhnt sich an extreme Belastungen – aber nur, wenn er nicht täglich ans absolute Limit gebracht wird.
Wer nach der Folge tiefer einsteigen will, hat zwei Optionen. Das Buch „Trail der Träume …und Albträume"(Polyglott Verlag, 2023) ist die ausführliche Nacherzählung des Peru-Laufs – mit allem, was in der Doku nicht gezeigt werden konnte. Am 6. Mai 2026 erscheint sein neues Buch „HOMERUN" bei Imagine Books (256 Seiten). Darin geht es um die Türkei-Umrundung – 80 Ultramarathons, 80 Tage, 5.000 Kilometer entlang der türkischen Grenzen von Istanbul zurück nach Istanbul. Gleichzeitig eine Suche nach Identität und Wurzeln. Für alle, die Savas im Podcast zugehört haben: das Buch wird diese Geschichte nochmal ganz anders aufschlagen.
