Michael Krichbaum leitet die Leichtathletik-Abteilung von Eintracht Frankfurt seit 2020 – ehrenamtlich, neben dem Beruf, 24/7. Fast 1.000 Mitglieder, über 30 ehrenamtliche Trainerinnen und Trainer, von der U8 bis zum Profisportler. In dieser Folge des MainAthlet Podcasts spricht er offen darüber, was das wirklich bedeutet: organisatorisch, finanziell und menschlich.
Am 23. Dezember bekamen fünf Frankfurter Spitzensportler einen Brief vom DLV: Zu viele Athleten nominiert, Förderung gestrichen – kurz vor Heiligabend, ohne erreichbaren Ansprechpartner beim Verband. Die Athleten hatten ihren Lebensmittelpunkt für diese Förderung nach Frankfurt verlegt.
Was dann passierte, ist kein Einzelfall – sondern zeigt, was einen starken Verein ausmacht: Eintracht Frankfurt aktivierte sein Partnernetzwerk und schuf innerhalb weniger Tage eine finanzielle Überbrückung für sechs Monate. Kein großes Statement, einfach handeln.
In der Folge erklärt Michael Krichbaum, warum Wertschätzung im Sport nicht für alle gleich aussieht – und warum der regelmäßige persönliche Kontakt oft wichtiger ist als jede finanzielle Unterstützung. Gina Lückenkämper hat es einmal so auf den Punkt gebracht: „Ich bin oben angekommen, ich brauche es nicht mehr. Aber die 23-Jährige, die gerade kommt und mit nichts dasteht – die braucht es jetzt."
Seit 2021 tritt die Leichtathletik-Abteilung nicht mehr als LG, sondern eigenständig unter dem Namen Eintracht Frankfurt Leichtathletik auf. Der Grund: mehr Eigenständigkeit, klarere Marke, bessere Vermarktungsmöglichkeiten – und der Sog eines der bekanntesten Vereinsnamen Deutschlands.
Der Verein ist inzwischen mit über 50 Sportarten und 16.000 Mitgliedern einer der größten Mehrspartensportvereine der Welt. Die Leichtathletik-Abteilung ist dabei weit mehr als eine Randsportart – sie deckt alles ab: von Sprintdisziplinen über Langstrecke und Ausdauersport bis hin zu Wurf- und Stoßdisziplinen.
Sechs Personen in der Abteilungsleitung, alle ehrenamtlich. Hotelbuchungen für Deutsche Meisterschaften, Meldungen, Trainerkoordination, Hallenzeiten, Materialbestellungen – alles neben dem Hauptberuf. Michael Krichbaum bringt es auf den Punkt: „Ich kann viel meckern. Aber wenn ich nicht die Verantwortung übernehme, kann ich auch nichts verändern."
Geplant seit 2013, bis heute kein Spatenstich: Eine neue Sportanlage am Riedberg lässt auf sich warten. Dieses Beispiel steht stellvertretend für eine der größten Herausforderungen der Leichtathletik in Frankfurt – und in vielen deutschen Städten.
Im Podcast spricht Michael Krichbaum auch darüber, warum Bundesstützpunkt-Hallen am Nachmittag leer stehen, obwohl Nachwuchsgruppen dringend Trainingszeit suchen – und welche bürokratischen Hürden das verhindert. Sein Wunsch: mehr Pragmatismus. Denn wer Betty Heidler und Kathrin Klaas beim Training beobachten durfte, weiß, was solche Begegnungen mit jungen Athletinnen und Athleten machen können.
Eintracht Frankfurt sucht den Blick über den eigenen Tellerrand – unter anderem mit einem Besuch bei Bayer 04 Leverkusen, die eine eigene Leichtathletik-Halle, ein Stadion und 13 Turnhallen auf einem Campus betreiben. Was Frankfurt davon lernen kann und welche Kooperationsideen entstanden sind, erklärt Michael im Gespräch.
Auch das Thema Germany Athletics und der Frankfurter Franchiseverein Frankfurt Athletics wird besprochen – sachlich, differenziert und ohne Scheuklappen.
Nicht jede Idee braucht ein großes Budget. Vereinsstammtische, Athleten-Netzwerke, ganzheitliche Begleitung von Nachwuchs bis zur After-Career – vieles davon lässt sich auch im kleinen Verein umsetzen. Michael Krichbaum: „Auch kleine Vereine haben ihr Netzwerk. Ganz viele schlaue Köpfe, Unternehmer, die mitmachen würden – wenn man sie ansprechen würde."
Michael Krichbaum leitet seit Mai 2020 ehrenamtlich die Leichtathletik-Abteilung von Eintracht Frankfurt mit knapp 1.000 Mitgliedern und ist Ansprechpartner für alle Belange von der U8 bis zum Profisportler.
Per E-Mail unter [email protected] – Michael ist auch für Austausch mit anderen Vereinen offen.
Die Kombination aus starker Nachwuchsarbeit, Bundesstützpunkt, Profi-Netzwerk des Gesamtvereins und einer Vereinskultur, die Athletinnen und Athleten auch in schwierigen Phasen nicht allein lässt.
Für Athletinnen und Athleten, Trainerinnen und Trainer, Vereinsverantwortliche und alle, die verstehen wollen, wie moderner Leichtathletik-Vereinssport in Deutschland wirklich funktioniert – und was ihn besser machen könnte.
