Sporttreiben mit Heuschnupfen: Kreuzreaktionen und Hyposensibilisierung (Teil 3)

Ich hoffe, du bist bereit für den dritten und letzten Teil rund um das Thema „Pollenallergie“.

 

😉Nachdem wir gelernt haben, was eine Allergie überhaupt ist, wodurch sie ausgelöst wird und wie man die Symptome bestmöglich in den Griff bekommen kann, widmen wir uns nun verschiedenen Kreuzallergien. Außerdem soll die Hyposensibilisierung als eine spezielle Art der Therapie zur Sprache kommen.

 

 

Zur Erinnerung: Bei einer allergischen Reaktion handelt es sich um eine Überreaktion des Immunsystems. Dieses stuft harmlose Partikel als Krankheitserreger ein, die entsprechend bekämpft werden. Wenn es zum Kontakt eines Allergens mit den menschlichen Schleimhäuten kommt, reagiert das Immunsystem mit der Bildung von IgE-Antikörpern, die ihrerseits wiederum die Produktion von Histamin anregen. Histamin verursacht schlussendlich die typischen Symptome von Heuschnupfen wie beispielsweise juckende, tränende Augen und eine verstopfte oder laufende Nase.

 

Kreuzreaktivität zwischen Aeroallergenen und Lebensmittelallergenen

Nun zur Kreuzreaktion: Was soll das eigentlich sein? Bei der Kreuzreaktivität handelt es sich um ein immunvermitteltes Phänomen. Dabei reagieren die IgE-Antikörper nicht nur auf das Allergen selbst, sondern auch auf ähnliche allergene Moleküle, sogenannte Homologe. Diese weisen strukturell einen nahezu identischen Aufbau im Vergleich zum jeweiligen Allergen auf. Daher kommt es häufig sowohl zu einer Immunreaktion dem Blütenstaub als auch bestimmten Lebensmitteln gegenüber. Folglich spricht man auch von Pollen-Food-Syndromen. Dabei handelt es sich um spezielle Form der Nahrungsmittelallergien, die ausschließlich pollensensibilisierte Personen betrifft. Da circa 5% der mitteleuropäischen Bevölkerung betroffen sind, ist sie eine der am häufigsten auftretenden Nahrungsmittelallergien. Unter den von Pollenallergie betroffenen Menschen leiden sogar rund 90% auch an mindestens einer Kreuzallergie. Genau wie Heuschnupfen selbst machen sich auch allergische Kreuzreaktionen schnell, innerhalb der ersten 30 Minuten nach dem Kontakt, bemerkbar. 

 

Bekannt für ihre Kreuzreaktivität sind vor allem Lebensmittel wie Rosaceae Früchte, zu denen Apfel, Pfirsich und Kirsche zählen, sowie Apiaceae Gemüse wie Karotte oder Sellerie. Aber auch Erdnüsse, Baumnüsse und Soja können Immunreaktionen verursachen.

Hier sind einige Pflanzen und die entsprechenden Lebensmittel aufgelistet, die häufig zum Auftreten von Kreuzreaktionen führen.

 

Baumpollen: Apfel, Aprikose, Pfirsich, Kirsche, Kiwi, Nektarine, Karotte, Sellerie, Soja, rohe Kartoffeln, Haselnuss, Walnuss, Mandel und Erdnüsse

 

Gräser: Tomate, Erdbeere, Melone, Kiwi, Mais, Erbsen, Hülsenfrüchte, Weizen, Roggen, Kleie, Hafer und Erdnüsse

 

Beifußpollen und Ambrosia: Mango, Melone (besonders Cantaloupemelone), Banane, Karotte, Sellerie, Zucchini, Gurke, und Sonnenblumenkerne.

 

Interessanterweise wird die Intensität der allergischen Reaktion maßgeblich von der Frucht- beziehungsweise Gemüsesorte bestimmt. Beispielsweise provozieren Äpfel der Sorte Granny Smith deutlich mehr Kreuzreaktionen als in Deutschland heimische Apfelsorten. Leider sind bereits Spuren der Lebensmittelallergene ausreichend, um schwerwiegende Symptome, zum Beispiel Übelkeit, Bauchkrämpfe, Erbrechen, Fieber und Ohnmacht, zu verursachen. Deshalb können besonders Ernährungsprodukte, die gleichzeitig mehrere Allergene enthalten, schnell gefährlich werden. Dazu zählen unter anderem Müsli- und Energieriegel, welche in der Regel viele allergieauslösende Substanzen vereinen: Milch, Obst, Getreide und Nüsse. Deren Wirkung kann sich aufkumulieren. Geht ein(e) sehr sensible(r) Sportler:in nach dem Verzehr anschließend hinaus für eine Trainingseinheit, kann diese Kombination schnell lebensbedrohlich werden. Eine anaphylaktische Reaktion (plötzlich auftretende und schwerwiegende allergische Reaktion) in Form eines Herz-Kreislauf-Versagens kann die Folge sein. Wissenschaftliche Befunde sprechen dafür, dass solche anaphylaktischen Reaktionen besonders dann eine hohe Auftretenswahrscheinlichkeit haben, wenn dem Verzehr allergieauslösender Nahrungsmittel eine körperliche Belastung folgt. Allerdings ist es im Nachhinein schwer nachzuvollziehen, was konkret der Auslöser der allergischen Reaktion gewesen ist.

 

Hyposensibilisierung als Langzeittherapie

Für eine langfristige Besserung von Allergien raten viele Ärztinnen und Ärzte zur sogenannten Hyposensibilisierung. Diese spezifische Immuntherapie erstreckt sich meistens über einen Zeitraum von circa drei Jahren, wobei genaue Angaben zur Therapiedauer nicht gemacht werden können. Denn diese hängt vorrangig vom Alter des/r Betroffenen sowie der Stärke der vorhandenen Allergie ab. Bei der Hyposensibilisierung werden Patient:innen gezielt geringen Dosen der Allergene ausgesetzt. Dabei wird die Dosis über die gesamte Therapie hinweg allmählich reduziert. Während die Sensibilisierung des Körpers konstant erhalten bleibt, können die Symptome auf diese Weise langfristig gemindert werden. Allerdings ist die Hyposensibilisierung nicht bei jedem:r gleich erfolgsversprechend. Denn sie ist ausschließlich zur Behandlung von Betroffenen geeignet, die lediglich an einer einzigen Allergie leiden. Eine dosierte Verabreichung mehrerer Allergene parallel ist nicht möglich. Dies hat zur Folge, dass Multiallergiker von der Hyposensibilisierung nicht ganz so schnell profitieren können. Denn es muss nacheinander jede Allergie separat therapiert werden, beginnend mit der schwerwiegendsten bis hin zu den leichteren Allergien. Dass ein gewisses Behandlungsrisiko besteht, wenn man Allergiker:innen absichtlich entsprechende Allergene verabreicht, versteht sich von selbst. Möglicherweise kann sich die Symptomatik durch die Therapie sogar verschlechtern. Daher ist vorher eine ausführliche Beratung bei Allergolog:innen empfehlenswert, um Diagnose und Therapiemöglichkeiten abzustimmen.

 

Ein kurzes Fazit zur Thematik der Allergien: Bei allergischen Reaktionen wehrt sich das Immunsystem gegen harmlose Substanzen, die es fälschlicherweise als Krankheitserreger einstuft. Das führt zu allergischen Reaktionen, die sich in tränenden und juckenden Augen, einer verstopften oder laufenden Nase, Atembeschwerden und gereizter Haut äußern. Für die Pollenallergie gilt, dass Betroffene den Allergenkontakt möglichst geringhalten sollten, indem sie Wälder und Wiesen meiden. Auch auf Kreuzallergien ist in diesem Zusammenhang zu achten. Dabei wird die gleiche allergische Reaktion von Lebensmittelallergenen ausgelöst, welche Moleküle mit strukturell ähnlichem Aufbau der Aeroallergene enthalten.

 

Allergiker:innen müssen nicht generell auf sportliche Aktivitäten verzichten, sollten aber auf ihren Körper hören, es ruhig angehen lassen und für Notfälle Antihistaminika parat haben. Diese haben aber häufig Nebenwirkungen wie Müdigkeit. Tatsächlich kann sich Sport auch positiv auf die Allergiesymptome auswirken. Denn Ausdauersport kann die Allergie mindern, indem er Lunge und Immunsystem stärkt und den Cortisolspiegel erhöht. Nichtsdestotrotz muss das Sporttreiben bei akuten allergischen Anfällen sofort abgebrochen werden.

 

Quellen:

 

Laufen mit Heuschnupfen | RUNNER'S WORLD (runnersworld.de)

 

https://open.spotify.com/episode/5jtk3nrYMVJOFF0lvGpVVO?si=78cf0ff53ff64d42

 

https://open.spotify.com/episode/2r1EpBfSWaSiwq6QTjuwgf?si=5dc134d624c24bad

 

Allergien im Überblick - Symptome, Ursachen & Behandlung (allvent.de)

 

Kreuzreaktivität zwischen Aeroallergenen und Lebensmittelallergenen - PMC (nih.gov)

 

Pollenflugvorhersage | allergiecheck.de

 

Pollenflugkalender — Hebel-Apotheke, Center-Apotheke, Schlössle-Apotheke

 

Ernährung bei Heuschnupfen | gesundheit.de

 

Anaphylaktische Reaktion (Anaphylaxie) gegen Medikamente (gesundheitsinformation.de)

 

Autorin: Linn Kleine 

 

 

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