Sporttreiben mit Heuschnupfen: Tipps & Tricks (Teil 2)

Aktuell leiden viele Betroffene unter nervigen Allergiesymptomen. Vor allem der in der Luft zirkulierende Blütenstaub macht Allergiker:innen im Moment das Leben schwer.

Nicht nur auf der Arbeit, sondern vor allem bei sportlicher Aktivität stellen uns allergische Reaktionen immer wieder vor Herausforderungen. Vor einer Woche drehte sich deshalb alles um die Definition, Symptomatik und Ursachen von Pollenallergien. 

 

Im nächsten Schritt stellen wir uns nun die Frage: Was kannst du konkret dafür tun, die Symptome zu lindern, und deinem Training möglichst beschwerdefrei nachgehen zu können? 

 

1. Allergenkontakt minimieren: In der letzten Woche ist bereits angeklungen, dass hochintensive Trainingseinheiten im Freien nach Möglichkeit vermieden werden sollten. Wann die jeweils akute Phase der Allergie beginnt, muss allerdings jede(r) individuell feststellen. Um sich nicht unnötig lange dem Pollenflug an der frischen Luft auszusetzen, ist es ratsam, die sportliche Aktivität nach drinnen zu verlegen oder sich alternative Trainingsorte zu suchen.

Aber auch für alle anderen Freizeitaktivitäten gilt: Von Parks, Wiesen und Mischwäldern sollten sich Allergiker:innen in der Hochphase des Pollenflugs fernhalten und stattdessen lieber Nadelwälder aufsuchen. Optimal (aber nicht wirklich praktikabel) wäre es übrigens, die akute Zeit am Meer zu verbringen. Da der Wind dort für gewöhnlich landeinwärts weht, ist die Luft weitestgehend pollenfrei. Auch die Berge sind ein idealer Trainingsort. Dort fällt die Pollenbelastung um einiges geringer aus als in der Stadt.

 

2. Regenphasen nutzen: Falls es nicht möglich ist, das Training geschützt vor Pollen in Innenräumen durchzuführen, sollten die Trainingsphasen bewusst nach Regenschauern eingeplant werden. Denn durch den Regen sinken die Pollen zu Boden. So wird die Luft kurzzeitig vom Blütenstaub gereinigt, was nicht nur den Pollenflug, sondern damit einhergehend auch die Allergiesymptome mindert. Natürlich richtet sich dieser Tipp vorrangig an Betroffene, die nicht auch noch unter Schimmelpilzsporen leiden.

 

3. Intensitäten langsam steigern: Beginne dein Training mit einem lockeren Warm-up im niedrigen Pulsbereich und steigere das Tempo langsam. Wie reagiert dein Körper auf die Belastung? Es gilt: Horche in dich hinein und vertraue den Signalen deines Körpers! 

 

4. Präventionsmaßnahmen: Falls in Problemzeiten ein Wettkampf oder ein hochintensives Training anstehen, solltest du vorbereitet sein. Es könnte sich auszahlen, präventiv schon vor großen körperlichen Belastungen ein Antiallergikum einzunehmen. So können die entzündungsauslösenden Histamine schon im Vorhinein blockiert und Symptome umgangen werden.

 

5. Informier dich über die aktuelle Lage!: Nutze die entsprechenden Informationsquellen, um bezüglich des Pollenflugs immer auf dem neusten Stand zu bleiben. Welche Pollen fliegen wann besonders stark? Welche Tageszeit ist besonders betroffen? Wie (un)günstig weht der Wind? Um diese Fragen zu beantworten, gibt es verschiedene Pollenflugkalender sowie die Pollenflugvorhersage: Pollenflugvorhersage | allergiecheck.de 

 

So kommt es unterwegs zu keinen bösen Überraschungen. Ein Antiallergikum solltest du für den Notfall natürlich trotzdem immer dabei haben.

 

6. Häufig duschen: Egal ob du vom Training, der Arbeit oder sonstigen Terminen nach Hause kommst; es gilt: zuerst ab unter die Dusche. Personen mit langen Haaren sollten nicht vergessen, auch die Haare zu waschen. Denn Körper und Haare müssen schleunigst vom Blütenstaub befreit werden. Mit einer heißen Dusche kannst du nicht nur die Pollen abwaschen, sondern deinem Körper auch die Möglichkeit bieten, sich von der allergenen Belastung zu erholen.

 

7. Nasendusche: Genau wie du Körper und Haare von Pollen befreien solltest, können auch die Schleimhäute gereinigt werden. Für die Nasenschleimhäute bietet sich hier der Einsatz einer Nasendusche an.

 

8. Häufig waschen: Getragene Kleidung solltest du keinesfalls im Schlafzimmer zum Auslüften aufhängen. Über deine Kleidung gelangt der Pollenstaub auf einfachstem Wege in dein Zuhause; und das gilt es zu verhindern! Lieber solltest du deine Wäsche häufiger waschen als gewöhnlich. Hängst du sie allerdings anschließend draußen zum Trocknen auf, besteht erneut die Gefahr, dass Pollen darin haften bleiben.

 

9. Fenster geschlossen halten: Um dein Zuhause frei von Allergenen zu halten, solltest du die Fenster tagsüber geschlossen halten. Lass auf keinen Fall den ganzen Tag lang die Fenster offenstehen! Stattdessen empfiehlt sich ein kurzes Stoßlüften morgens oder abends. Besonders früh und spät hält sich die Pollenbelastung nämlich vergleichsweise in Grenzen.

 

10. Sonnenbrillen: Betroffene, deren Augen besonders sensibel auf Pollenallergene reagieren, sollten im Freien zu Sonnenbrillen greifen. Diese schützen die Augen davor, dass Pollen versehentlich in die Schleimhäute geraten. Daneben verhindern auch Kappen, dass sich Pollen in den Haaren verfangen und von dort aus ihren Weg in die Schleimhäute finden.

 

11. Vorsicht bei Erkältungen: Solltest du zusätzlich zur Allergie erkältet sein, ist doppelte Vorsicht geboten. Denn Infekte der Atemwege können die Symptomatik von Allergien noch weiter verschlimmern. Du solltest es also besonders ruhig angehen lassen.

 

12. Histaminarme Ernährung: Heuschnupfen lässt sich über die Ernährung beeinflussen: positiv wie negativ! Wie immer empfiehlt sich vitaminreiche, unverarbeitete und abwechslungsreiche Kost. Zucker und tierische Produkte wie Fisch, Fleisch, Eier und Milch sollten dabei nur in Maßen genossen werden. 

Dass der Körper als Abwehrmechanismus gegen bestimmte Allergene mit Histaminausschüttung reagiert, wissen wir bereits. Das Histamin ist verantwortlich für die unterschiedlichen Symptome einer allergischen Reaktion. Deshalb macht es Sinn, einen hohen Gehalt an Histamin nicht zusätzlich zu provozieren. Eine möglichst histaminarme Ernährung ist die logische Konsequenz. Denn Histamin kann nicht nur von unserem Körper produziert werden; es ist auch je nach Lebensmittel mehr oder weniger Bestandteil unserer Nahrung. Deshalb sollte sich der Konsum an hefehaltigen Fertigprodukten, reifem Käse, Hülsenfrüchten, Tomaten, Weizenprodukten, Schokolade, Essig, konservierten Meeresfrüchten sowie geräuchertem Fleisch in Grenzen halten, da diese verhältnismäßig reich an Histamin sind. Dagegen können Vitamine (B6 und C) sowie Mineralien (Kupfer) die Beschwerden von Heuschnupfen mindern, da sie den Abbau von Histamin unterstützen. Auch Zwiebeln und Äpfel eignen sich aufgrund des Inhaltsstoffes Quercetin hervorragend. Denn Quercetin ähnelt in seiner Wirkung den Antihistaminika, welche die Antihistamin-Rezeptoren blockieren und so eine allergische Reaktion verhindern. Darüber hinaus können Magnesium (Weizenkleie, Sonnenblumenkernen und Walnüssen), Kalzium (Joghurt, Camembert und Soja), Selen (Sesam, Paranüssen und Kokos), Mangan (Haferflocken, Weizenkleie, Reis und Haselnüssen) sowie Zink (Austern, Rindfleisch, Linsen und Vollkornbrot) überschüssiges Histamin binden und die Schleimhäute schützen.

 

13. Ausreichend und richtig trinken: Viel Wasser und Kräutertee zu trinken, fördert die Funktion des Immunsystem, hält die Schleimhäute feucht und trägt damit zur schnelleren Ausscheidung von Pollen bei. So werden die Schleimhäute zu einer stärkeren Barriere gegen dem Blütenstaub. Aufgrund ihres hohen Histamingehalts ist von Alkohol sowie grünem und schwarzem Tee jedoch eher abzuraten.

 

14. Medikamente: Es gibt verschiedenste Therapieansätze zur Behandlung einer Pollenallergie. Statt sich in Akutphasen durch den Tag zu quälen, kann es ab und zu sinnvoll sein, doch mal zu Medikamenten zu greifen. Der Markt für Arzneien, die eine lindernde Wirkung bei allergischen Reaktionen haben, ist riesig. Sie versprechen, die Allergie gut kontrollieren und damit einiges an Lebensqualität zurückgewinnen zu können. Dieser symptomatische Ansatz wird mit Abstand am häufigsten verfolgt. Daher existiert eine Vielzahl an Augentropfen, Nasensprays, Glukokortikoiden und Antihistaminika. Besonders bei Antihistaminika muss jedoch mit Nebenwirkungen gerechnet werden: Da sie starke Müdigkeit hervorrufen, können sie die Leistungsfähigkeit mindern. Das ist für Leistungssportler:innen vor intensiven Einheiten oder Wettkämpfen ein Ausschlusskriterium, wenn Fokus und Konzentration besonders hoch sein müssen. Aus diesem Grund ist es empfehlenswert, Antihistaminika abends einzunehmen. So schläft man die schlafanstoßende Wirkung über Nacht aus. Die allergiemindernde Wirkung hält dagegen 24 Stunden lang an. Daneben sind aber auch nicht-medikamentöse Behandlungen wie Immuntherapien, pflanzliche Wirkstoffe oder Homöopathie und Akupunktur beliebt. 

 

Aber Achtung: An dieser Stelle wie immer der Hinweis: Vor jedem Gebrauch ist unbedingt die Positivliste der Nationalen Anti Doping Agentur zu checken. Das funktioniert mit Hilfe der NADA2go-App innerhalb weniger Sekunden und gibt jedem ein besseres Gefühl bei der nächsten Dopingkontrolle. 😉

 

Hoffentlich helfen dir diese Tipps, deine Pollenallergie so gut es geht in den Griff zu kriegen. Mit einer weiteren, besonders langfristigen Therapiemethode beschäftigt sich der Blogartikel in der nächsten Woche. Dann soll es nämlich um die Hyposensibilisierung gehen. Außerdem schauen wir uns an, was es mit Kreuzreaktivität eigentlich auf sich hat.

 

 

Autorin: Linn Kleine 

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0