Sporttreiben mit Heuschnupfen: die Basics (Teil 1)

Gerötete Augen, juckende Haut, laufende Nase und Atemnot. Natürlich ist jede Allergie nervig und kräftezehrend. Jetzt im Moment treiben aber vor allem verschiedene Pollen die Allergiker:innen in den Wahnsinn. Heuschnupfen mindert nicht nur die Lebensqualität erheblich, sondern kann auch ganz schön den Spaß an der Bewegung rauben. „Sporttreiben unter erschwerten Bedingungen“ könnte man sagen. 😉

 

Dieser dreiteilige Blogartikel dreht sich um die Symptome und Ursachen von Allergien. Dabei schauen wir uns besonders die Pollenallergie an, welche gerade Hochsaison hat, und wie man sich erfolgreich zur Wehr setzt. Auch inwieweit Allergien das Training beeinflussen und warum bei bestimmten Lebensmitteln Vorsicht geboten ist, soll hier zur Sprache kommen. Außerdem wird abgewogen, ob Sport mit Heuschnupfen fortgeführt oder ausgesetzt werden sollte.

 

Dabei widmen wir uns heute hauptsächlich den Grundlagen und Ursachen von Heuschnupfen. Rund ein Drittel der Deutschen leidet heutzutage unter mindestens einer Allergie. Tendenz steigend! Mit 16% zählt die Pollenallergie darunter zur am häufigsten diagnostizierten allergischen Erkrankung; gefolgt von Hausstaub-, Tierhaar- und Nahrungsmittelallergien. Dabei können allergische Reaktionen gegenüber Pflanzenpollen von Bäumen, Gräsern und Kräutern auftreten. Die Symptome sind allgemein bekannt: Es zählen typischerweise tränende und juckende Augen, eine verstopfte oder durchgängig laufende Nase, Atembeschwerden und gereizte Haut dazu, wenn die Pollen mit den Schleimhäuten in Berührung kommen. Des Weiteren können Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Kopfschmerzen und Konzentrationsschwäche hinzukommen. Falls die Pollen über die Atmung in den Körper gelangen, werden auch Beschwerden des Magen-Darm-Trakts wie Blähungen und Durchfall ausgelöst. In besonders schwerwiegenden Fällen können sogar Asthmaschübe oder anapyhlaktische Schockreaktionen die Folge sein. Allerdings gibt es große interindividuelle Unterschiede in der Intensität und Ausprägung der Allergien, deshalb fallen die allergischen Reaktionen häufig sehr verschieden aus. In der Regel sind die Symptome in den Frühjahrs- und Sommermonaten am stärksten; abhängig davon, auf welche Pollen man allergisch reagiert. Manche Allergiker:innen leiden sogar bereits ab Dezember oder Januar. Um eine bestimmte Allergie zu diagnostizieren, kommen in der Regel Haut-, Labor- oder Provokationstests zum Einsatz.

 

Aber was genau passiert im Körper bei einer allergischen Reaktion? 

Die genauen Ursachen von allergischen Krankheiten sind noch nicht vollständig erforscht. Es lässt sich aber sagen, dass Allergien auf einer Überreaktion des Immunsystems beruhen. Bei Heuschnupfen stellt vor allem der Blütenstaub ein Problem dar. Er wird von den Pflanzen selbst produziert, um deren Bestäubung zu sichern. Bereits kleinste Mengen von 20 Pollen können bei Allergiker:innen Probleme verursachen. Allerdings setzt ein einziger Blütenstand 2 bis 5 Millionen Pollen von einem Gras frei. Eine schier unglaubliche Zahl! Mit Hilfe des Windes können die winzigen und leichten Pollen hunderte Kilometer weit fortgetragen werden. Dadurch ist es nahezu unmöglich, sich vor Pollen zu schützen. Nur Regen kann hier Abhilfe schaffen, da er die Pollen zu Boden sinken lässt. So können auch Allergiker:innen endlich wieder aufatmen.

 

Sobald der Blütenstaub direkt auf die Schleimhäute an Augen, Nase und Mund trifft, lösen sich die im Pollen enthaltenen wasserlöslichen Proteine. Dabei werden eigentlich harmlose Substanzen fälschlicherweise für Krankheitserreger gehalten und entsprechend bekämpft. Quasi wie ein „Fehlalarm“. Der Erstkontakt mit den entsprechenden Allergenen, zum Beispiel Baumpollen, löst im Abwehrsystem die Produktion sogenannter IgE-Antikörper aus, um sich (trotz dessen Harmlosigkeit) gegen den Fremdkörper zu wehren. Daraufhin führt der Zweitkontakt mit dem Allergen zu einer starken Immunreaktion: Sobald die Antikörper an spezielle Abwehrzellen, die Mastzellen, binden, wird der Botenstoff Histamin ausgeschüttet. Histamin wirkt entzündungsauslösend und fungiert im menschlichen Körper als Hormon sowie als Neurotransmitter. Es stimuliert Drüsenzellen zur Abgabe von Sekret, reizt Nerven und löst somit einen Juck- und Niesreiz aus. Außerdem führen Histamine zu einer Gefäßweiterung, sodass Rötungen und Schwellungen an den Schleimhäuten sichtbar werden. Folgen dieser Immunreaktion sind die bekannten Allergiesymptome. Bei der Pollenallergie kann sich die allergische Reaktion schon wenige Sekunden oder Minuten nach dem Allergenkontakt zeigen. Deshalb spricht man in diesem Fall auch von einer Sofort-Reaktion (allergische Typ-1-Reaktion).

 

Was solltest du beim Training mit Heuschnupfen beachten?

 

Unter Sportler:innen treten die Symptome einer Pollenallergie im Vergleich zur Normalbevölkerung häufiger auf. Das kann vor allem daran liegen, dass Sportler:innen mehr Zeit an der frischen Luft verbringen, wo sie gleichzeitig mehr Pollen ausgesetzt sind. Wie oben beschrieben löst der Kontakt mit Pollen eine Schwellung der Nasenschleimhäute aus. Das erschwert die Atmung durch die Nase. Weicht der/die Athlet:in nun aber auf die Mundatmung aus, gelangen umso mehr Pollen in die Atemwege. Daher kann sportliche Belastung unter Umständen negative Folgen haben. Sowohl der permanente Allergenkontakt als auch eine schlechte oder unzureichende Therapie der allergischen Symptomatik resultieren bei vielen Betroffenen in allergischem Asthma. Dann spricht man auch vom „Etagenwechsel“, da die Probleme von sich von den oberen auf die unteren Atemwege ausweiten. Eine häufige Empfehlung ist daher, in der Akutphase der Allergie auf intensive Trainingseinheiten im Freien zu verzichten. Wie lang diese akute Phase andauert und wie stark die Symptome die sportliche Aktivität beeinträchtigen, ist aber individuell verschieden.

 

Die Pollenflugvorhersagen unter Pollenflugvorhersage | allergiecheck.de bieten einen guten Anhaltspunkt: Dort wird für den jeweiligen Standort die aktuelle Pollenbelastung angegeben und eine Vorhersage für die nächsten drei Tage getroffen. 

 

 

Grundsätzlich lässt sich die Pollenbelastung anhand von Pollenflugkalendern folgendermaßen einordnen:

 

März: Hasel, Erle und Pappel

 

April: Pappel, Weide, Esche, Hainbuch und Birke

 

Mai: Buche, Eiche, Kiefer und Gräser

 

Juni: Kiefer, Gräser, Spitzwegerich, Roggen und Brennnessel

 

Juli:  Gräser, Spitzwegerich, Brennnessel und Beifuß

 

August: Spitzwegerich, Brennnessel, Beifuß und Traubenkraut

 

Dennoch kann man nicht pauschal sagen, dass Allergiker:innen besser auf Sport im Freien verzichten sollten. Ganz im Gegenteil: Denn Ausdauersport verbessert erwiesenermaßen die Lungenfunktion und erhöht den Spiegel unseres Stresshormons Cortisol im Blut. Dieses wiederum kann eine Linderung der Allergiesymptomatik bewirken.

 

Stattdessen bietet es sich an, intensives Training lieber drinnen im Gym und in Sporthallen zu absolvieren oder nach Regenphasen zu trainieren. Solange sich deine Symptome in Grenzen halten, sodass du dich fit genug fühlst, spricht nichts gegen ein kontrolliertes Training.

Für Fragen steht dir sicherlich dein(e) Apotheker:in oder dein(e) Allergolog:in zur Verfügung.

 

 

Die Grundlagen dazu, was eine Pollenallergie eigentlich ist und wodurch eine allergische Reaktion ausgelöst wird, haben wir nun kennengelernt. Nächste Woche möchte ich dir einige Tipps mit an die Hand geben, wie du die akuten Phasen des Pollenflugs gut überstehst.

 

 

Autorin: Linn Kleine 

 

 

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