Das Team hinter dem Einzelsportler: Nick Symmonds

Das Team hinter dem Einzelsportler: Nick Symmonds

 

Heute widmen wir uns einer spannenden, aber auf den ersten Blick paradox wirkenden Frage: Wie baut man sich als Profiläufer:in sein Team auf? Ja, du hast richtig gelesen! Aber Laufen ist doch eigentlich eine Individualsportart? Naja, ganz so einfach ist es nicht. Denn zumindest hinter jedem Profi oder Olympionik:in steht ein großes Team, das den/ die Sportler:in unterstützt und ihm/r den Rücken stärkt.

 

 

Ein prädestiniertes Beispiel dafür: Nicholas Boone Symmonds, besser bekannt als Nick Symmonds. Er war für über 20 Jahre über die Mittelstrecke im Wettkampfgeschehen tätig, davon zwölf Jahre als Profiläufer. Der zweifache Olympionike hat es sich nun -nach dem Ende seiner sportlichen Karriere- zum Ziel gesetzt, sein eigenes Wissen über den Laufsport mit seiner Community zu teilen. Auch Symmonds gibt zu, dass er sich ein riesiges Team aufgebaut habe, das ihn in allen Phasen seiner Laufbahn unterstützt und angefeuert habe. Ohne dieses Team wäre er in seiner sportlichen Karriere wohl gar nicht erst so weit gekommen. Den Aufbau seines Teams skizziert Symmonds auf seinem Youtube-Kanal als Pyramide mit mehreren Ebenen: 

 

Das stabile Fundament dieser Pyramide besteht aus seiner Familie und seinen Freunden. Dieser Teil werde laut Symmonds häufig vergessen. Nichtsdestotrotz sind Familie und Freunde für die sportliche Performance von großer Bedeutung: Denn nach einem guten Rennen sind das die Personen, mit denen du feiern kannst. Gleichzeitig sind das aber auch genau die Personen, die dich nach einem schlechten Rennen wieder aufbauen und dazu ermutigen, den Kopf nicht in den Sand zu stecken. Denn das nächste Rennen steht in der Regel schon vor der Tür und dafür lohnt es sich, weiter hart zu trainieren.

 

Die nächste Ebene der Pyramide spielt für Amateursportler:innen vielleicht noch keine allzu große Rolle. Für Profis ist sie aber unersetzbar. Die Rede ist von Sponsoren und einem Management. Symmonds ́ Rat dazu: Der Versuch, ohne diese Personen für Olympia zu trainieren, sei von Vornherein zum Scheitern verurteilt. Auch wenn er dennoch allen Respekt zolle, die es probieren. Aber warum? Der Grund ist simpel: Der Weg bis zu den Olympischen Spielen kostet eine nicht unerhebliche Summe an Geld, beispielsweise für Trainings- und Wettkampffahrten, Trainingslager, Ausrüstung usw. Symmonds ́ Manager Chris Layne, den er aktuell für den Experten schlechthin in diesem Bereich halte, wurde für ihn über die Jahre wie zu einem Bruder. Denn Lane begleitete Symmonds ́ gesamte Profikarriere von Tag eins an bis zum Ruhestand. Daneben zählt Symmonds zu seinen Hauptsponsoren den Sportartikelhersteller Nike beziehungsweise gegen Ende seine Karriere die US-Firma Brooks. Beide haben Symmonds, während er noch aktiv war, mit Sportkleidung sowie - schuhen ausgestattet und auf diese Weise finanziell entlastet.

 

Die dritte Ebene unterteilt Symmonds in vier Segmente: An der Spitze steht sein Headcoach Frank Gagliano, der ihn zu einer Sub-4-Meile coachte und 2008 bis ins olympische Team für Peking brachte. Nachdem dieser sich in den Ruhestand verabschiedet hatte, übernahm Mark Rowland die Rolle des Headcoachs. Rowland habe Symmonds Leistung auf ein völlig neues Level gehoben: Viele US-Titel, die Olympia-Teilnahme 2012 in London und eine Zeit von 1:42,95 Min. über 800m sind nur einige der Erfolge, die beide zusammen feiern durften. Darauf folgte Danny Mackey als Headcoach, mit dem Symmonds schlussendlich seinen sechsten US-Outdoor-Titel gewinnen konnte.

 

Unter dem Headcoach existieren in Symmonds ́ Pyramide noch drei weitere Kategorien: Dazu zählen erstens weitere Trainer, zum Beispiel sein Krafttrainer Jim Radcliffe, der speziell das Krafttraining geleitet habe. Zweitens muss es ein umfangreiches medizinisches Team inklusive Physiotherapeut:innen geben, das für die physische Gesundheit verantwortlich ist und regelmäßige Behandlungen ermöglicht. Symmonds ́ Schlussfolgerung dazu ist simpel: „Wenn man krank oder verletzt ist, kann man nicht trainieren; wenn man nicht trainieren kann, kann man keine Wettkämpfe bestreiten.“ Und drittens: Sportpsycholog:innen. Leider wird dieser Teil heutzutage immer noch von vielen Athlet:innen übergangen. Doch die mentale Gesundheit kann entscheidend für die sportliche Performance sein. Symmonds ist der Meinung: „Es ist genauso wichtig, die Psyche zu trainieren wie den Körper.“ Ohne seinen Sportpsychologen Jeff Troesch hätte Symmonds nach eigener Einschätzung niemals all die Erfolge in seiner Karriere erreichen können. Zwar hält er sich selbst für mental stark; jedoch habe er häufig zu viel gegrübelt, analysiert und sei leicht in Panik verfallen, wenn er einmal hinter seinen eigenen Erwartungen zurückgeblieben war. Genau bei dieser Problematik habe Troesch ihm helfen können, indem er ihn beruhigt habe und mit ihm an den destruktiven Verhaltensweisen gearbeitet habe. Neben der Emotionsregulation kann die Sportpsychologie aber auch beim Aufbau von Selbstvertrauen und Fokus, dem Umgang mit Rückschlägen sowie beim Zielsetzungstraining hilfreich sein.

  

Die Devise lautet also: Möglichst viele Aufgaben an Expert:innen abtreten, die sich auf gewisse Bereiche spezialisiert haben und so dem Headcoach unter die Arme greifen können, wo dessen Expertise endet.

 

 Wenn du nun glaubst, Symmonds habe diese Pyramide mit allen Komponenten selbst aufgebaut und für dessen Instandhaltung gesorgt, liegst du leider falsch. Als Profi habe für Symmonds neben dem intensiven Training immer die Regeneration im Vordergrund gestanden. Während der sportlichen Laufbahn gibt es zu jeder Zeit ein Training oder einen Wettkampf, für den sich Profis erholen müssen. Aus diesem Grund bleibt kaum Zeit, permanent das Team im Hintergrund zu managen. Aber wer thront dann auf der Pyramide, wenn es nicht Symmonds selbst ist? Ganz einfach: Sein Mentor Sam Lapray. Er habe das ganze System über all die Jahre am Laufen gehalten. Das heißt, wenn irgendeine Person aus der Pyramide etwas mit Symmonds klären musste, hielt sie vorerst mit Lapray Rücksprache. Der Kontakt lief also niemals direkt über Symmonds, sondern wurde stets von Lapray koordiniert. Denn im Vorfeld von wichtigen Rennen schottete Symmonds sich regelmäßig von seiner Außenwelt ab und war ohnehin kaum zu erreichen. Vor allem war Lapray aber mit der Aufgabe betraut, die Pyramide langfristig intakt zu halten: Endete beispielsweise die Kooperation mit einem Sponsor, half Lapray dem Management bei der Suche nach einem geeigneten Ersatz. Auch als Symmonds ́ diverse Headcoaches in Rente gingen, musste der Wechsel zu einem neuen Trainer flüssig über die Bühne gehen. So wurde Lapray über die Jahre zum Mentor, besten Freund und Geschäftspartner zugleich, dem Symmonds sogar sein Buch widmete.

 

 

Symmonds gesteht, dass es unzählige Wege gebe, wie das Team hinter einem/r Profisportler:in aussehen kann. Und allein das Team zusammen zu stellen, kann mehrere Jahre in Anspruch nehmen. In jedem Fall sind die Personen, die mit dem/r Athlet:in gemeinsam auf ein Ziel hinarbeiten, aber unverzichtbar. Deshalb lautet sein Appell: Nutze alle Ressourcen, die dir in deinem persönlichen und sportlichen Umfeld zur Verfügung stehen. Ganz nach dem Motto: „If you want to go fast, go alone. But if you want to go far, go with a team.“

 

Autorin: Linn Kleine

 

Quellen:

 

HOW TO BUILD A WORLD CLASS PRO RUNNING TEAM!! - YouTube

 

Nick Symmonds – Wikipedia

 

 

 

 

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